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Donnerstag, 7. März 2002

Ruscher Forsthaus abgebrannt

Ein Toter zu beklagen / Fünf Feuerwehren im Einsatz / Gemeinde organisiert Hilfe

Raduhn In der Nacht zum Mittwoch ist der alte Forsthof im Ortsteil Rusch Opfer eines verhehrenden Feuers geworden. Ein Mann starb in den Flammen, sieben weitere Bewohner verlohren ihre Wohnung.Die Kripo nahm ihre Arbeit auf.

Der Dienstag dieser Woche wird als schwarzer Tag in die Geschichte des Dorfes Rusch eingehen. Gegen 22.30 Uhr wurden die Bewohner aus dem Schlaf gerissen. Mitten im Ort stand der Dachstuhl des alten Forsthauses in Flammen. Minuten später trafen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren aus den Nachbardörfern Raduhn, Klinken, Garwitz, Domsühl und Parchim am Unglückort ein. Das Hauptaugenmerk der mehr als 60 Einsatzkräfte galt zunächst den acht Bewohnern des denkmalgeschützten Gebäudes.

Eine 37-jährige Frau und ein 46-jähriger Mann waren von den Flammen in ihrer Wohnung im Obergeschoss eingeschlossen. Als Ausweg sahen sie offensichtlich nur den Sprung aus dem Fenster an. Deren Höhe von rund vier Metern wurde den beiden zum Verhängnis: mit schweren Verletzungen musste sie ins Krankenhaus eingeliefert werden. Als bekanntgeworden war, dass sich in der betreffenden Wohnung ein weiterer Mann aufgehalten zum Brandzeitpunkt aufgehalten hat, standen die Helfer vor einer schwierigen Situation.

"Unsere Kameraden haben keine Atemschutzgeräte. Ihnen sind bei einem derartigen Einsatz die Hände gebunden", beklagt Bürgermeisterin Marina Borchert die Situation. Erst den gut ausgerüsteten Feuerwehrleuten aus der Kreisstadt war es schließlich möglich, das Haus zu durchsuchen. Der 66-Jährige Wohnungsinhaber wurde im Laufe des Tages tot unter dem Brandschutt entdeckt.

Unterdessen versuchten die Feuerwehrleute unter Leitung von Kreiswehrführer Dietmar Arendt mit großem Einsatz zu retten, was noch zu retten war. Immer wieder flackerten die Flammen im Dachstuhl des Hauses auf. Nach rund einer Stunde hatte man den Brand zwar unter Kontrolle, doch das gesamte Obergeschoss war ein Opfer des Feuers geworden. Am Morgen nach der Katastrophe wird das ganze Ausmaß des nächtlichen Feuers sichtbar:

Alle Wohnungen sind ebenso unbenutzbar geworden wie die Heimatstube im Erdgeschoss. Vor allem die Lehmwände- und decken haben schwere Wasserschäden davongetragen. Bürgermeisterin Borchert hat sich vor Ort um die betroffenen Mieter gekümmert. Einen Mitbürger wird sie vorläufig in der eigenen Wohnung unterbringen. Die restlichen Mieter sind bei Verwandten untergekommnen.

Zu den Ursachen des Feuers konnte sich gestern noch niemand äußern. Nach dem Brandermittler der Polizei noch in der Nacht mit der Arbeit begonnen hatten, sind inzwischen Spezialisten der Kriminalpolizeiinspektion Schwerin hinzugezogen worden. Auch die Schadenshöhe konnte bisher niemand beziffern.

Mit dem alten Forsthaus, das 1886 mit roten Backsteinziegeln erbaut worden ist, verlieren die Ruscher das Wahrzeichen ihres kleinen Dorfes. Auf dem Forsthof hatten sie jeweils im Sommer mit vielen Gästen das über die Gemeindegrenzen hinaus beliebte Storchenfest gefeiert.

Wolfried Pätzold